Charisma Haupt - sprechende Hände  
Sprachschule & Beratungsstelle für Kommunikation und Leben 

Wissenswertes...

Gebärdensprache ist eine interessante, erlernenswerte Sprache und sie hat eine Besonderheit: Hauptwerkzeug dieser Kommunikationsform sind nicht Mund und Ohren, sondern Hände und Augen - das macht sie so anders. Andersartigkeit bringt stets Vorteile, aber auch Irrtümer mit sich. Hier sind jene, die mir im Alltag am meisten begegnen...

Gebärdensprache ≠ international
Jede Gebärdensprache ist länderspezifisch und, wie Lautsprachen auch, in einer Kultur eingebettet. Daher lassen sich Sprachen grundsätzlich nicht unabhängig von ihrem kulturellen Hintergrund betrachten und vermitteln. Gebärdensprachen beinhalten - genauso wie Lautsprachen - Dialekte und Variationen.

Gebärdensprache ≠ Zeichensprache
Gebärdensprache kann zwar in lauter Umgebung, unter Wasser oder über größere Distanzen genutzt werden, damit darf aber nicht der Eindruck entstehen, dass Gebärdensprachen nur ein „kommunikatives Hilfsmittel“ sind. Ganz im Gegenteil: Gebärdensprachen sind natürlich gewachsene Sprachen, die einer eigenen Grammatik folgen und die in ihrer linguistischen Komplexität Lautsprachen ebenbürtig sind. Gebärdensprachen erlauben, genauso wie Lautsprachen, einen detailgetreuen Austausch von beispielsweise Emotionen, Witzen und sarkastischen Äußerungen.

Gebärdensprache ≠ Pantomime
Sowohl Gebärden als auch Pantomime werden visuell aufgenommen - das ist im Wesentlichen die einzige Gemeinsamkeit. Um den Rahmen nicht zu sprengen, möchte ich an dieser Stelle nur auf einen Punkt hinweisen: Pantomime ist vielmehr „Tanz & Spiel“ und beansprucht damit viel Raum und Energie für sich. Die Gebärdensprache dagegen hat einen klar definierten Gebärdenraum, der sich um den Kopf, Oberkörper, bis hin zur Hüfte herum erstreckt. Abgesehen davon, dass Gebärdensprachen einem grammatikalischen Regelwerk folgen, folgen sie auch einem ökonomischen Prinzip - kurz: Wir können gemütlich am Tisch eine Unterhaltung zu jedem Thema führen, ohne uns im Raum hin und her bewegen zu müssen.

Gebärden ≠ nur Hände
Gebärden werden nicht nur mit den Händen produziert. Mimik, Mundarbeit, Blickrichtung, Kopf- und Oberkörperhaltung sind bedeutungstragend und gehören zur Deutschen Gebärdensprache genauso dazu, wie Satzzeichen in der Schriftsprache oder Betonungen und Sprechpausen in der Lautsprache. 

gehörlos ≠ taubstumm
Gehörlose als "taubstumm" zu bezeichnen, gilt heute als politisch nicht korrekt und werden von Gehörlosen als diskriminierend empfunden.
"gehörlos" bzw. "taub" sind die angemessenen Bezeichnungen für Nichthörende, denn die wenigsten sind auch gleichzeitig stumm: Sie haben voll funktionsfähige Stimmbänder, sie können Laute von sich geben und viele flüstern Wörter oder Satzteile.